Sind die Konzeptionen des Autoritarismus noch passfähig? - ein Diskussionsvorschlag anlässlich des 125. Geburtstags von Erich Fromm = Are the concepts of Authoritarianism still appropriate? - a discussion proposal on the occasion of Erich Fromm’s 125th birthday

Vor dem Hintergrund eines weltweiten „Authoritarian Turn“ wird gefragt, inwieweit sozialwissenschaftliche Autoritarismus-Konzeptionen den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht werden bzw. inwieweit es sich lohnt, nach ergänzenden Erklärungen zu suchen? Nach einem Blick in die bekann...

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Bibliographic Details
Main Author: Frindte, Wolfgang 1951- (Author)
Format: Electronic Article
Language:German
Published: 2025
In: ZRex
Year: 2025, Volume: 5, Issue: 2, Pages: 238-254
Online Access: Volltext (kostenfrei)
Rights Information:CC BY 4.0
Check availability: HBZ Gateway
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Description
Summary:Vor dem Hintergrund eines weltweiten „Authoritarian Turn“ wird gefragt, inwieweit sozialwissenschaftliche Autoritarismus-Konzeptionen den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht werden bzw. inwieweit es sich lohnt, nach ergänzenden Erklärungen zu suchen? Nach einem Blick in die bekannte Geschichte der Autoritarismusforschung werden verschiedene Autoritarismus-Konzeptionen diskutiert: Der „Right-Wing Authoritarianism“ von Altemeyer, die Autoritarismus-Konzeption von Decker und Kolleg:innen, die „Theorie der sozialen Dominanz“ von Sidanius und Pratto, das „duale Prozessmodell“ von Duckitt sowie die Konzeption des „libertären Autoritarismus“ von Amlinger und Nachtwey. Schließlich wird das Konzept des „Group Narcissism“ von Erich Fromm mit dem „Social Identity Approach“ von Tajfel und Kolleg:innen verglichen. Für Erich Fromm ist der Gruppen-Narzissmus ein relativ stabiles Moment eines Gesellschafts-Charakters. Autoritär eingestellte Gruppen-Narzisst:innen kümmern sich ausschließlich und ohne Skrupel um ihre eigene (und gruppenbezogene) Einzigartigkeit, ihre Macht und ihr Geld und diskriminieren deshalb schamlos schwache und unterlegene Gruppen. Vorgeschlagen wird deshalb, darüber zu diskutieren, ob der Gruppen-Narzissmus nicht ein nützlicher und theoretischer Ansatz sein kann, um in Ergänzung zu den bisherigen Autoritarismus-Konzeptionen auch den Elitarismus der Trumpist:innen und ihrer Unterstützer:innen beobachten und analysieren zu können.
Against the background of a worldwide “authoritarian turn”, the question is asked to what extent social science conceptions of authoritarianism do justice to current social developments and to what extentit is worth looking for supplementary explanations? After a look at the well-known history of authoritarianism research, various conceptions of authoritarianism are discussed: Altemeyer’s “right-wing authoritarianism”, the conception of authoritarianism by Decker and colleagues, the theory of social dominance by Sidanius and Pratto, the“dual process model” by Duckitt and the conception of libertarian authoritarianism by Amlinger and Nachtwey. Finally, the concept of “Group Narcissism” by Erich Fromm is compared with the“SocialI dentity Approach” by Tajfel and colleagues. For Erich Fromm, group narcissism is a relatively stable aspect of asocial character. Authoritarian group narcissists care exclusively and without scruples about their own (and group-related) uniqueness, their power and their money and therefore shamelessly discriminate against weak and inferior groups.It is therefore proposed to discuss whether group narcissism could not be a useful and theoretical approach to observe and analyze the elitism of Trumpists and their supporters in addition to the existing concepts of authoritarianism.
ISSN:2701-9632
DOI:10.3224/zrex.v5i2.05
Access:Open Access