Salafismus als Nährboden des islamistischen Terrorismus?

Das salafistisch geprägte informelle islamische Milieu in Europa avancierte in den letzten Jahren zu einem umstrittenen Phänomen. Viele politische und sicherheitsbehördliche Entscheidungsträger glauben, einen Nexus zwischen dem Salafismus und dem islamistischen Terrorismus bzw. Dschihadismus ausmach...

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Detalles Bibliográficos
Autor principal: Logvinov, Michail 1979- (Autor)
Tipo de documento: Electrónico Artículo
Lenguaje:Alemán
Publicado: 2017
En: SIAK-Journal
Año: 2017, Volumen: 14, Número: 4, Páginas: 56-68
Acceso en línea: Volltext (kostenfrei)
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Sumario:Das salafistisch geprägte informelle islamische Milieu in Europa avancierte in den letzten Jahren zu einem umstrittenen Phänomen. Viele politische und sicherheitsbehördliche Entscheidungsträger glauben, einen Nexus zwischen dem Salafismus und dem islamistischen Terrorismus bzw. Dschihadismus ausmachen zu können, weshalb die sich selbst auf dem Weg der "frommen Vorfahren" wähnenden Milieuangehörigen als gefährlich und ihre Weltbilder als "geistiger Nährboden des Terrorismus" gelten. Dabei ist das Befürworten der Gewaltanwendung keine ausschließliche Domäne des militanten Salafismus. Die die Gewalt legitimierenden Problemdiagnosen sind im Salafismus obendrein ein komplexes Thema. Was den Salafismus und den (IS)-Dschihadismus ähnlich erscheinen lässt, sind die Mechanismen der religiösen Sinnproduktion: Beide Strömungen rekurrieren auf das ur-islamische Gemeinde-Paradigma als Appelationsinstanz. Bei der relationalen Situationsdefinition scheint jedoch jede Strömung in ihren eigenen Werkzeugkasten zu greifen. Während für den Salafismus primär der pädagogische Aspekt im Vordergrund steht, greift der zeitgenössische Dschihadismus auf dieselben kanonischen Quellen zurück, um eine Synthese zwischen dem ursprünglich arabischen Reichs- und späteren Weltreligionsparadigma zu vollziehen. Um theologischen und handlungspraktischen Widersprüchen vorzubeugen, konstruiert er seine eigene Gewalttheologie als Grundlage für die so verstandene islamische Orthopraxie. Zugleich sollte berücksichtigt werden, dass der dschihadistische Bezug auf den Koran und das Goldene Zeitalter des Islams auch andere Wurzeln hat. Bekanntlich definierten charidschitische Interpretationsmodelle den Koran als für alle Muslime unverrückbaren Maßstab. So suchten die Gruppen der Azraqiten ihr Heil in der Auswanderung aus der Gemeinschaft der Muslime und erklärten jeden für ungläubig, wer sich nicht zu ihnen bekannte oder seine Haltung verbarg.
ISSN:1813-3495
DOI:10.7396/2017_4_E