Evaluation in der Extremismusprävention: zur Messung von Effekten einer Intervention am Beispiel des Projekts DECOUNT

In der Extremismusprävention besteht dringender Bedarf nach Evidenzbasierung, herrscht doch trotz einer Vielzahl an Programmen und Maßnahmen nach wie vor ein Mangel an fundierten Evaluationsstudien. Der Artikel präsentiert ein Projekt, bei dem eine Online-Kampagne gegen Extremismus entwickelt wurde,...

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Bibliographic Details
Authors: Hofinger, Veronika (Author) ; Lippe, Felix (Author) ; Walter, Rebecca (Author)
Format: Electronic Article
Language:German
Published: 2021
In: SIAK-Journal
Year: 2021, Volume: 18, Issue: 2, Pages: 78-88
Online Access: Volltext (kostenfrei)
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Summary:In der Extremismusprävention besteht dringender Bedarf nach Evidenzbasierung, herrscht doch trotz einer Vielzahl an Programmen und Maßnahmen nach wie vor ein Mangel an fundierten Evaluationsstudien. Der Artikel präsentiert ein Projekt, bei dem eine Online-Kampagne gegen Extremismus entwickelt wurde, und fokussiert auf die wissenschaftliche Begleitforschung, die einen experimentellen Evaluationsansatz verfolgt und quantitative mit qualitativen Methoden kombiniert. Im Rahmen des Projekts wurde ein interaktives Online-Spiel entwickelt, das Jugendliche über Ursachen und Verläufe von Radikalisierungsprozessen aufklären möchte. Die Evaluation konnte zeigen, dass Jugendliche nach dem Spielen des Spiels ihre Haltung gegenüber extremistischen Narrativen veränderten: Sie stimmten Aussagen, die auf typische extremistische Argumentation Bezug nahmen, also beispielsweise Gewalt legitimierten oder Verschwörungstheorien propagierten, signifikant weniger zu als vor dem Spielen. Wenn sie das Online-Spiel im Zuge eines Präventionsworkshops spielten, wiesen sie danach zudem niedrigere Zustimmungswerte zu autoritären Einstellungen auf. Die eigene Einschätzung der Lerneffekte durch das Spiel war durchwegs hoch, wobei jene, die das Spiel im Rahmen eines Workshops gespielt hatten, noch größere Lerneffekte beobachteten. Eine Fokusgruppe ergab, dass sich die Teilnehmenden mehr alternative Handlungsoptionen hinsichtlich der Frage, wie man sich politisch engagieren und Ungerechtigkeiten auf demokratische Art und Weise bekämpfen könne, gewünscht hätten. Nach eigenen Angaben haben sie jedoch viel über individuelle Radikalisierungsprozesse und die Rekrutierungsstrategien extremistischer On- und Offline-Akteure gelernt. Trotz einiger Einschränkungen bei der Datenerhebung durch die COVID-19-Pandemie liefert die Evaluation interessante Erkenntnisse über die Wirkung des Online-Spiels zur Radikalisierungsprävention.
Physical Description:Diagramme
ISSN:1813-3495
DOI:10.7396/2021_2_G