Die Polizei in Bewegung: zur Produktion territorialer Räume in Buenos Aires

Wie in vielen lateinamerikanischen Metropolen wird städtische ‚Unsicherheit‘ in Buenos Aires seit mehr als 20 Jahren als eines der drängendsten politischen und gesellschaftlichen Probleme diskutiert. In der Debatte ist die Polizei traditionell zentraler Bezugspunkt. Die Stadtbewohner*innen erwarten...

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Published in:Soziale Probleme
Main Author: Feth, Anja (Author)
Format: Electronic Article
Language:English
Published: 2017
In:Soziale Probleme
Year: 2017, Volume: 28, Issue: 2, Pages: 261-283
Online Access: Volltext (Verlag)
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Summary:Wie in vielen lateinamerikanischen Metropolen wird städtische ‚Unsicherheit‘ in Buenos Aires seit mehr als 20 Jahren als eines der drängendsten politischen und gesellschaftlichen Probleme diskutiert. In der Debatte ist die Polizei traditionell zentraler Bezugspunkt. Die Stadtbewohner*innen erwarten von ihr, dass sie auf den Straßen und Plätzen präsent ist und diese effektiv kontrolliert. Gleichzeitig sprechen sie ihr den Willen und die Fähigkeit dazu häufig ab und machen die Polizei für das Unsicherheitsproblem mit verantwortlich. Vor diesem Hintergrund untersuche ich in meinem Beitrag am Beispiel von Buenos Aires, wie urbaner Raum durch alltägliche polizeiliche Praktiken als staatlich-urbaner bzw. territorialer Raum hergestellt wird. Anhand der Präventivfestnahme und des Zugriffs auf die Straßenprostitution – als zwei miteinander verbundenen, aber kontrastierenden Beispielen der urbanen Raumkontrolle – zeige ich, dass es sich um einen konflikthaften, selektiven, informellen und widersprüchlichen Prozess handelt, in dessen Rahmen die Polizei institutionellen, politischen und ökonomischen Interessen folgt. Theoretisch eingebettet ist die Analyse in Henri Lefebvres Verständnis von Raum als soziales Produkt und des Urbanen als einer gesellschaftlichen Vermittlungsinstanz. In Anlehnung daran begreife ich die Polizei und policing als Scharniere, die im Prozess der staatlich-urbanen Raumproduktion zwischen abstrakter staatlicher Ordnung und konkretem Alltagsleben vermitteln.
ISSN:2364-3951
DOI:10.1007/s41059-017-0036-5