Extremismusaffine Einstellungen in Deutschland: Entwicklungen seit 2021: Befunde aus den repräsentativen Befragungen der UHH

Im Rahmen des Monitorings politisch extremistischer Einstellungen im Kontext von MOTRA werden durch die UHH insgesamt drei Studien im Trenddesign durchgeführt, um gesellschaftliche Entwicklungen und deren Niederschlag in politischen Einstellungen zu analysieren. Zu nennen sind insoweit die seit 2021...

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Bibliographic Details
Authors: Brettfeld, Katrin (Author) ; Endtricht, Rebecca (Author) ; Farren, Diego (Author) ; Fischer, Jannik (Author) ; Kleinschnittger, Janosch (Author) ; Wetzels, Peter 1959- (Author)
Format: Print Article
Language:German
Published: 2022
In: MOTRA-Monitor
Year: 2022, Pages: 68-109
Check availability: HBZ Gateway
Keywords:
Parallel Edition:Electronic
Description
Summary:Im Rahmen des Monitorings politisch extremistischer Einstellungen im Kontext von MOTRA werden durch die UHH insgesamt drei Studien im Trenddesign durchgeführt, um gesellschaftliche Entwicklungen und deren Niederschlag in politischen Einstellungen zu analysieren. Zu nennen sind insoweit die seit 2021 jährlich stattfindenden repräsentativen Befragungen der erwachsenen Wohnbevölkerung „Menschen in Deutschland“ (MiD), die seit 2022 stattfindende Befragung „Junge Menschen in Deutschland“ (JuMiD), welche alle zwei Jahre wiederholt werden soll, und die seit November 2022 in Kooperation mit dem GIGA durchgeführten Online-Befragungen erwachsener Personen im Rahmen der Studie „Menschen in Deutschland: International“ (MiDInt), die in kurzfristigen Abständen von zwei bis drei Monaten regelmäßig wiederholt werden. Die Ergebnisse der bislang im Rahmen dieser drei Studien durchgeführten Befragungen zeigen, dass die Verbreitung von eindeutig rechtsextremen Einstellungen sich zwischen 2021 und 2022 nicht signifikant verändert hat. Diesbezüglich ist von einem Potenzial von etwa 4 % eindeutig rechtsextrem eingestellter Personen in Deutschland auszugehen. Weiter erweist sich etwa ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung als offen für rechtsextreme Ideologien. Bei jungen Menschen liegen diese Raten mit 2.1 % eindeutig rechtsextrem Eingestellten und 9.4 %, die offen für rechtsextremes Gedankengut sind, deutlich niedriger. Mit Blick auf die Verbreitung eindeutig islamistischer Einstellungen bei in Deutschland lebenden Muslim*innen hat es ebenfalls keine signifikanten Veränderungen seit 2021 gegeben. Unter den in Deutschland lebenden Muslim*innen ist 2022 ein entsprechendes Potenzial von etwa 8 % zu erkennen. Zunahmen hat es hier allerdings im Bereich derer gegeben, die sich als offen für islamistisches Gedankengut erweisen. Deren Anteil an der muslimischen Bevölkerung ist von etwa 20 % im Jahr 2021 auf etwa 26 % im Jahr 2022 angewachsen. Die entscheidenden Entwicklungen zwischen 2021 und 2022 sind erst bei einer ideologieübergreifenden Analyse von Einstellungen zu grundlegenden Prinzipien der Demokratie zu erkennen. Hier ist 2022 im Vergleich zu 2021 eine deutliche Zunahme der Ablehnung wesentlicher Grundlagen einer demokratisch-rechtsstaatlichen Staatsorganisation zu finden, was zu einem signifikanten Anstieg der Demokratiedistanz von 14 % auf 16 % führt. Dies steht in einem engen Zusammenhang mit einer ebenfalls nachweisbaren, deutlich erhöhten Verbreitung von Zweifeln an der Fähigkeit der Demokratie, die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen tatsächlich bewältigen und die gegenwärtig erkennbaren Probleme lösen zu können. Insbesondere die Wahrnehmung vermehrter wirtschaftlicher Belastungen, die im unmittelbaren persönlichen Lebensbereich erlebt und für die nächste Zeit befürchtet werden, tragen zu einer erheblichen Skepsis mit Blick auf die Leistungsfähigkeit der demokratischen Institutionen bei. Die Erhebungen der Studie MiDInt aus April/Mai 2023 zeigen weiter, dass dies gegenwärtig bei etwa einem Drittel der Bevölkerung mit der Bereitschaft einhergeht, wesentliche Prinzipien einer freiheitlichen parlamentarischen Demokratie zugunsten stärker autoritärer Strukturen einzuschränken oder aufzugeben. Ähnliche Entwicklungen in Richtung auf wachsende autoritäre Tendenzen konnten auch in anderen Studien beobachtet werden. Solche Tendenzen einer zunehmenden Skepsis gegenüber der Demokratie und die damit verbundene erhöhte Autokratieakzeptanz sind als Vorstufen politisch extremistischer Einstellungen zu betrachten. Gerade hier sind früh einsetzende, gezielt die Risikogruppen erreichende Maßnahmen der Prävention und politischen Bildung erforderlich.
Item Description:Literaturverzeichnis: Seite 107-109
Physical Description:Diagramme