Informalisierung der Strafjustiz: Begriff, Begründung und Kritik = Criminal justice becoming informal : concept, rationale, and critique

Der Beitrag untersucht die Berechtigung der verbreiteten Kritik an einer Informalisierung der Strafjustiz. Dabei werden zunächst begriffliche Unschärfen herausgearbeitet: In der Literatur bleibt letztlich unklar, was eine Entwicklung in den strafjustiziellen Entscheidungsstrukturen zu einem Phänomen...

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Bibliographic Details
Main Author: Burghardt, Boris 1976- (Author)
Format: Electronic Article
Language:German
Published: 2019
In: Kriminologisches Journal
Year: 2019, Volume: 51, Issue: 3, Pages: 172-191
Online Access: Volltext (kostenfrei)
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Check availability: HBZ Gateway
Keywords:
Parallel Edition:Non-electronic
Description
Summary:Der Beitrag untersucht die Berechtigung der verbreiteten Kritik an einer Informalisierung der Strafjustiz. Dabei werden zunächst begriffliche Unschärfen herausgearbeitet: In der Literatur bleibt letztlich unklar, was eine Entwicklung in den strafjustiziellen Entscheidungsstrukturen zu einem Phänomen der Informalisierung macht und mithin auf welche Entwicklungen sich der Begriff erstreckt. Zugleich lassen sich gegenläufige Entwicklungen benennen, die als Formalisierung der Strafjustiz verstanden werden können. Sodann werden gemeinsame Argumentationslinien für die Begründung der Informalisierung einerseits und für ihre Kritik andererseits herausgearbeitet. Dabei zeigt sich, dass die Kritik durchaus berechtigt ist, aber ihrerseits auf der - in tatsächlicher Hinsicht zunehmend brüchigen und dennoch unverzichtbaren - Prämisse beruht, dass gesetzgeberische Entscheidungen eine größere Gewähr für ihre inhaltliche Richtigkeit nach normativen Maßstäben bieten als Entscheidungen der Strafjustiz.
Criminal proceedings are traditionally understood as a primary example for rigorously formalized justice. Under the German Code of Criminal Procedure of 1877, police and public office of prosecution were generally obliged to investigate and prosecute all criminal offences they became aware of, and criminal sanctions could only be imposed by a court after a main hearing. From this perspective, the growing trend to more informal ways of dealing with criminal cases in German criminal law has been criticized for more than 30 years. The article analyzes what is meant exactly by the ominous term „informalization“, why informal proceedings are deemed problematic and which are the underlying assumptions the critique is based upon.
Item Description:Literaturverzeichnis: Seite 189-191
DOI:10.3262/KJ1903172