Vom Kreuzberg zum Breitscheidplatz: Gefährder statt Gefahrenabwehr in den neuen Polizeigesetzen = From Kreuzberg to Breitscheidplatz : prevention of terrorist suspects instead of danger prevention in the new German police legislation
Seit dem Kreuzberg-Urteil des Preußischen Oberverwaltungsgerichts aus dem Jahr 1882 markierten "Gefahr" und "Störer" die zentralen Komponenten eines auf die Gefahrenabwehr beschränkten Polizey-Begriffs. Um der Freiheitlichkeit willen meinte der liberale Rechtsstaat, das schädigen...
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Tipo de documento: | Electrónico Artículo |
Lenguaje: | Alemán |
Publicado: |
2020
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En: |
Kriminologisches Journal
Año: 2020, Volumen: 52, Número: 2, Páginas: 97-110 |
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Verificar disponibilidad: | HBZ Gateway |
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Parallel Edition: | No electrónico
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Sumario: | Seit dem Kreuzberg-Urteil des Preußischen Oberverwaltungsgerichts aus dem Jahr 1882 markierten "Gefahr" und "Störer" die zentralen Komponenten eines auf die Gefahrenabwehr beschränkten Polizey-Begriffs. Um der Freiheitlichkeit willen meinte der liberale Rechtsstaat, das schädigende Ereignis bis kurz vor dessen Eintritt abwarten zu können - auch um den Preis, den letzten Zeitpunkt für ein rechtzeitiges Eingreifen womöglich zu verpassen. Ein solches Risiko nimmt der moderne Präventions- und Vorsorgestaat nicht mehr in Kauf: Er will gefahrenträchtige Geschehensabläufe nicht erst im letzten Moment unterbrechen, sondern sie gar nicht in Gang kommen lassen. Hier wird das mutmaßlich gefährliche Subjekt anstelle des objektiven Kausalgeschehens, der Gefährder bzw. die Gefährderin anstelle der Gefahr, in den Fokus genommen. Die Person selbst wird zum Bezugspunkt sicherheitsrechtlicher Risikovorsorge gemacht, wobei die Prognose nicht an das kaum kalkulierbare menschliche Individuum anknüpft, sondern dieses als Teil einer Gruppe oder standardisierbarer Situationen behandelt. Subjektivierung und Entindividualisierung gehen Hand in Hand und prägen das moderne Sicherheitsrecht. Since the so-called Kreuzberg judgment of the Prussian Higher Administrative Court of 1882, the competence of the police was limited to the aversion of specific threats to public safety. The liberal, constitutional state had the self-certitude to wait with defensive measures until very shortly before the damaging event occurred. A modern preventive state committed to the precautionary principle is no longer willing to take such a risk: Especially the latest police statutes enacted in the German states try to prevent potential dangers like terrorism altogether, rather than intercepting the course of events. As a result of this, it is no longer the physical occurrence but the individual itself (the suspect of terrorist activity) who is considered as a risk. Since free individuals do not follow predictable patterns, the presumption of risks in police law concentrates more on general assessments of groups or standardised situations. In consequence, subjectivisation as well as de-individualisation are leaving a mark on German security law. |
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Notas: | Literaturverzeichnis: Seite 107-110 |
DOI: | 10.3262/KJ2002097 |