Risikomanagement und selektive Punitivität als "Kriminalpolitik von unten": zum Zeitverlauf des Hell-Dunkelfeldverhältnisses der Jugendgewalt in Deutschland zwischen 1986 und 2003

Diese empirische Untersuchung wendet sich gegen die Vorstellung eines massiven Anstiegs der Gewaltkriminalität in Deutschland seit den 1950er Jahren. Exemplarisch wird anhand der Entwicklung von Körperverletzungen demonstriert, dass die Zunahme der Tatverdächtigenbelastung in der Polizeilichen Krimi...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. VerfasserIn: Köllisch, Tilman (Verfasst von)
Medienart: Druck Aufsatz
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2007
In: Kriminologisches Journal
Jahr: 2007, Band: 39, Heft: 4, Seiten: 243-259
Verfügbarkeit prüfen: HBZ Gateway
Schlagwörter:

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520 |a Diese empirische Untersuchung wendet sich gegen die Vorstellung eines massiven Anstiegs der Gewaltkriminalität in Deutschland seit den 1950er Jahren. Exemplarisch wird anhand der Entwicklung von Körperverletzungen demonstriert, dass die Zunahme der Tatverdächtigenbelastung in der Polizeilichen Kriminalstatistik vor allem auf den Anstieg bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden zurückzufahren ist. Durch einen Vergleich mit Raufunfällen wird nachgewiesen, dass dieser Anstieg im Heilfeld weit überwiegend durch eine Aufhellung des Dunkelfeldes zu Stande kommt und darüber hinaus Entwicklungen im Hell- und Dunkelfeld der Jugenddelinquenz nur lose gekoppelt sind Der empirische Befund wird eingeordnet in Theorien zur Erklärung zunehmender Anzeigeneigung insbesondere gegenüber jugendlichen Gewalttätern. Übertragen auf deutsche Verhältnisse scheint die Vorstellung Garlands, nach der die punitive Wende auch eine Folge massiv angestiegener Kriminalität sei, nicht haltbar zu sein. Vielmehr drückt sich bereits in der Steigerung der Anzeigeneigung selbst eine gesteigerte ,Punitivität' der Bevölkerung aus, die damit ,Kriminalpolitik von unten' betreibt. Zunehmende Registrierung von Kriminalität und steigende Punitivität sollten als Ergebnisse derselben sozialen Prozesse betrachtet werden. 
520 |a This empirical analysis argues against the idea that there has been a massive rise of violent crime in Germany since the 1950s. Using trends in cases of assault as an example, it is demonstrated that the crime rate according to police statistics mainly rises due to increasing numbers of suspected children, juveniles, and adolescents. Incidents of school fighting are used as a reference indicator to demonstrate that rising trends in police statistics result from a decrease in the dark figure of unreported crime. The empirical findings are integrated in theories that aim to explain changes in reporting behaviour especially in relation to violent juvenile delinquency. Garland's idea that a punitive turn may be caused by rising crime rates as represented in police statistics is challenged. lt is argued instead that rising numbers in police statistics themselves express increasing 'punitivity ', rejlecting an increasing demand for formal conflict resolution by the population. Increasing rates of registered crime and increasing punitivity are to be considered as two similar outcomes of the underlying processes of social change. 
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