Finanzmärkte und Tatorte. Globalisierung und Geldwäsche

Die weitgehende Deregulierung weltweiter Kapitaltransaktionen und die Ablösung des Finanzgeschehens von "realen" wirtschaftlichen Prozessen haben die negativen Wir̶kungen der Globalisierung gesteigert. Die Globalisierung hat Möglichkeiten zur kriminellen Bereicherung eröffnet, denen durch...

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Bibliographic Details
Main Author: Hetzer, Wolfgang 1951- (Author)
Format: Print Article
Language:Undetermined language
Published: 2003
In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform
Year: 2003, Volume: 86, Issue: 5, Pages: 353-363
Check availability: HBZ Gateway
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Description
Summary:Die weitgehende Deregulierung weltweiter Kapitaltransaktionen und die Ablösung des Finanzgeschehens von "realen" wirtschaftlichen Prozessen haben die negativen Wir̶kungen der Globalisierung gesteigert. Die Globalisierung hat Möglichkeiten zur kriminellen Bereicherung eröffnet, denen durch einzelstaatliche Sanktionen nicht mit der erforderlichen Wirksamkeit zu begeg̶nen ist. Die internationalen Finanzmärkte haben sich in global verstreute Tatorte verwandelt. Die dort auftretenden Akteure sind durch die Strafdrohungen konventioneller Tatbe̶stände nicht zu beeindrucken. Die verursachten Schäden liegen weit jenseits des Hori̶zonts "innerer" Sicherheit. Auf den internationalen Finanzmärkten werden sich Geldwäscher, gewerbs- und ban̶denmäßige Steuerhinterzieher sowie andere organisierte Kriminelle weiterhin mit äu̶ßerst geringem Entdeckungs- und Sanktionsrisiko betätigen und auf ihre Weise zu einer weltweiten und sozialschädlichen Verzerrung der "terms of trade" beitragen. Gegenwärtig sind keine überzeugenden Strategieentwürfe erkennbar, mit deren Hilfe das hochkomplexe Geflecht wirtschaftlicher Interessen und krimineller Ambitionen wirkungsvoll angegangen werden könnte. Dies gilt insbesondere für eine deliktsspezi̶fi̶sche und risikoorientierte Strukturprävention. Die jüngsten Versuche der Regierung der Bundesrepublik Deutschland zur Verbesse̶rung der Geldwäschebekämpfung und zur Bekämpfung der Finanzierung des Terro̶ris̶mus beseitigen wichtige Defizite der Geldwäschebekämpfung nicht. Die Erwartung, dass es den Polizeibehörden der Länder der Bundesrepublik Deutsch̶land und/oder dem Bundeskriminalamt bei der gegenwärtigen Rechtslage gelin̶gen könnte, in die besonders komplexen und gefährlichen Dimensionen der Geld̶wäsche vorzudringen, ist auf einer nach oben und unten offenen Skala zwischen "naiv" und "absurd" einzuordnen. Sie dürfte zu den Irrtümern gehören, die dann ent̶stehen, wenn Zuständigkeit mit Kompetenz verwechselt wird. Hier kann offen blei̶ben, ob diese Fehlvorstellung mittlerweile die Politik insgesamt oder zumindest die Si̶cher̶heitspolitik bestimmt
ISSN:0026-9301